Am Freitag, dem 6. Februar unternahm der Arbeitskreis „Wärmewende“ des Grünen-Ortsverbands Ladenburg mit 12 Personen eine Exkursion nach Steinheim an der Murr. Wir wollten vor Ort das im Aufbau befindliche Nahwärmenetz anschauen und verstehen, welchen Weg die Gemeinde bisher genommen hat. Der Grünen-Ortsverband stellte den Kontakt zur Gemeinde her. Bürgermeister Winterhalter, die Klimaschutzmanagerin Frau Roller und Herrn Gruseck, der technische Geschäftsführer der Wärmenetz Steinheim GmbH, nahmen sich viel Zeit und vermittelten uns einen fantastischen Einblick in die Historie und den Stand des Projekts.
Alle Kommunen in Deutschland sind verpflichtet, auf dem Weg in die Klimaneutralität eine kommunale Wärmeplanung zu machen. Dabei werden Wärmebedarf und -versorgung einer Kommune analysiert. Im Ergebnis wird dargestellt, welche Optionen es für die Wärmeversorgung in der Zukunft gibt. Ladenburg hat sich 2024 mit einigen Nachbarkommunen auf den Weg gemacht und die Erstellung eines Wärmekonzepts in Auftrag gegeben. Einen Zwischenbericht gab es im Gemeinderat am 26. November 2025. Im Laufe des Jahres 2026 folgen der Endbericht im Gemeinderat sowie eine Informationsveranstaltung für Bürger:innen. Danach sind Gemeinderat und Stadtverwaltung in der Pflicht, aus den Vorschlägen der Wärmeplanung einen konkreten Umsetzungsplan zu erarbeiten. So könnte beispielsweise entschieden werden, in einigen Ladenburger Stadtteilen ein Nahwärmenetz zu bauen bzw. das bestehende zu erweitern, und in anderen Stadtteilen dies nicht zu tun. Diese Information ist wichtig für Haushalte, die vor der Frage stehen, wie sie eine alte oder wartungsanfällige Heizung ersetzen sollen.
Aufgrund der Enge der Altstadt können wir davon ausgehen, dass die Wärmeplanung vorschlagen wird, dort ein Nahwärmenetz zu bauen. Diese Annahme hat Bürgermeister Schmutz in seiner Rede beim Neujahrsempfang 2026 bereits deutlich gemacht. Und er sagte auch, dass der Bau eines Nahwärmenetzes eine hohe Investition darstellt, die sozial verträglich erfolgen müsste.
Der AK „Wärmewende“ informiert sich schon seit einer Weile über Projekte in anderen Gemeinden, die den Weg zu einem Nahwärmenetz bereits gehen. Durch konkrete Beispiele kommen wir weg von abstrakten Diskussionen und den damit verbundenen Unsicherheiten. Wir können Fragen stellen, die für die Planung in unserer Gemeinde wichtig sind: Was bedeutet der Bau eines Nahwärmenetzes für eine Kommune? Wie funktioniert das praktisch? Was kostet es und wie lange dauert der Bau? Wie gehen wir mit sensiblen Gebieten um? Wer betreibt das Netz? Wie sind Anschluss- und Nutzungskosten?
Im Zuge unserer Recherchen stießen wir auf die Gemeinde Steinheim an der Murr – ein perfekter Match! Steinheim ist von Größe und Struktur Ladenburg recht ähnlich: ca. 12.400 Einwohner:innen, Schulcampus, Freibad, einige geschützte Bereiche. Seit dem letzten Jahr befindet sich dort ein Nahwärmenetz mit einer Gesamtlänge von 6,6 km Länge im Aufbau. Die Planung reicht zurück bis ins Jahr 2019. Damals wurde das Projekt beim Förderprogramm „Kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ eingereicht. Bei der Planung des Netzes wurde die Wirtschaftlichkeit feingranular untersucht. Es wurde pro Straße analysiert, wieviel Wärme benötigt wird, und der Ausbau dementsprechend priorisiert. Ein wesentlicher Ansatz ist auch, dass die anzuschließenden Gebäude energetisch optimiert werden, um möglichst wenig Wärme zu verbrauchen. Dadurch kann das Netz mit einer niedrigen Vorlauftemperatur – und damit wesentlich kostengünstiger – betrieben werden. Neben der Kernstadt hat Steinheim noch zwei Ortsteile, für die kein Ausbau geplant ist. Dafür sollen Insellösungen untersucht werden, bei denen mehrere Gebäude von einer Stelle mit Wärme versorgt werden. Dies kann am Enden wirtschaftlicher sein, als Einzellösungen. Nach den Vorträgen und der Diskussion ging es noch zum Schul- und Sportzentrum. Dort sahen wir, wie die Wärmezentrale auf- bzw. ausgebaut wird. Der im Bau befindliche Warmwasserspeicher mit einer Höhe von 15 Metern und 500 Kubikmetern Fassungsvermögen wird vermutlich eine neue Landmarke von Steinheim werden. Im Materiallager war es eindrucksvoll zu sehen, welche Abmessungen die Leitungen je nach ihrer Wärmetransportkapazität haben.




Ein anschließendes Gespräch mit Vertretern des Grünen-Ortsverbands rundete den Besuch ab. So lernten wir, dass Sitzungen des Ortsverbands hybrid durchgeführt werden. Das erlaubt es einigen Leuten erst, überhaupt teilzunehmen. Die Freunde in Steinheim sind so sympathisch, dass wir sie gerne wiedersehen und in Ladenburg begrüßen würden.
Was wir bei diesem ersten Kontakt zu Steinheim gesehen und gehört haben, hat Lust auf mehr gemacht. Der Besuch hat die Basis gelegt für breitere und tiefer gehenden Kontakte, sowohl von Seiten der Verwaltung als auch des Gemeinderats. Dies sah auch der Steinheimer Bürgermeister so, der uns „bis zum nächsten Mal“ verabschiedete.
Weitere Informationen: https://www.stadt-steinheim.de/bauen-gewerbe-umwelt/waermenetz-steinheim-gmbh/das-waermenetz-in-steinheim
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